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Reaktionen in der Romandie


Bereits einen Tag nach der Bekanntgabe des Deals fanden in der Westschweiz die ersten Personalversammlungen statt. Kritisiert wird unter anderem, dass die Informations- und Mitbestimmungsrechte verletzt wurden.

Ein harter Schlag für das Personal von Edipresse: In den ersten Tagen nach der Ankündigung der Übernahme durch Tamedia herrschten Fatalismus und Resignation gegenüber einer als unkontrollierbar empfundenen Wirtschaftswelt vor, gemischt mit Angst und leiser Bereitschaft zur Unterwerfung. Dann aber kam Bewegung in die Reihen.

Nach der ersten, noch von Ratlosigkeit geprägten Versammlung am Mittwoch, 4. März bei «24 Heures» hielt auch die Redaktion der «Tribune de Genève» (TG) am Freitag, 6. März ein Treffen ab: Die Grundstimmung änderte sich, Protest wurde laut, und in einer einstimmig verabschiedeten Resolution «bedauert das Personal, über die Übernahme von Edipresse Schweiz durch Tamedia weder befragt noch informiert worden zu sein. Die MitarbeiterInnen wurden schlicht und einfach vor vollendete Tatsachen gestellt». Als Zeichen der Solidarität mit den Angestellten der beiden Gratisblätter, die demnächst fusionieren sollen – dabei werden etwa 20 Jobs verschwinden – fordert die Resolution «die Direktion auf, alles daran zu setzen, um Alternativlösungen zu finden». Weil ein weiterer Stellenabbau oder sogar das Ende einer weiteren Zeitung zu befürchten ist, appelliert die Versammlung der TG an die MitarbeiterInnen, «das Handtuch nicht zu werfen und weiter zu mobilisieren».

Am Donnerstag, 12. März fanden im Centre d’Impression Edipresse in Bussigny zwei gut besuchte Versammlungen statt. Auch hier wurde einstimmig eine Resolution angenommen; sie soll am 31. März der Versammlung der Edipresse Publications SA vorgelegt werden und anschliessend an die Direktion weitergehen.

comedia organisierte noch am Tag der Übernahmeankündigung vor dem Tamedia-Sitz in Zürich eine Aktion und verteilte an den beiden nächsten Tagen in der ganzen Edipresse-Gruppe Flugblätter. Am 3. März hatte comedia Tamedia und Edipresse an die Mitbestimmungsrechte der MitarbeiterInnen erinnert und die sofortige Umsetzung sowie möglichst bald ein Gespräch verlangt. Tamedia-Konzernchef Martin Kalls Antwort: Er leitete die Forderung an Edipresse weiter. Dort lehnten Tibère Adler und Théo Bouchat ab und signalisierten, ihre einzigen Sozialpartner seien die Koordination der Redaktionen und der Verband Impressum! Das ist reine Verzögerungstaktik, denn die Übernahme betrifft alle Sektoren, auch das technische Personal.

Edipresse ist seit dem 1. Januar 2006 an den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die grafische Industrie gebunden und kann comedia, die den GAV unterzeichnet hat, nicht einfach ausschliessen. Überdies besitzt die gesamte Personalvertretung – Redaktion und technisches Personal – Mitbestimmungsrechte, und man darf die einen nicht gegen die anderen ausspielen. comedia hat den Ball natürlich wieder zurückgegeben. In den kommenden Wochen sind weitere Initiativen geplant. comedia möchte in jedem Fall eine gemeinsame Gewerkschaftsfront zur Verteidigung der Arbeitnehmerrechte aufbauen.

Bruno Clément