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«Grundsätzliche Kritik gab es keine»

Die Diskussion um die neue Gewerkschaft drehte sich im Sektor Grafische Industrie und Verpackung um Punkte, die noch geklärt werden müssen. Grundsätzliche Kritik oder Ablehnung gab es keine, was sich auch in der Schlussabstimmung zum Vernehmlassungsbericht zeigte. Dieser wurde mit einigen kleineren Änderungsanträgen und Anfragen einstimmig genehmigt.

In der französischen Übersetzung wurden diverse Begriffe kritisiert. Zum Beispiel wird bei der Mitgliederwerbung von «recrutement» und nicht von «syndicalisation» gesprochen, was nicht gut aufgenommen wurde. So soll denn auch von den welschen Sektionen ein Antrag kommen, der eine gewerkschaftlich konforme Wortwahl verlangt. Zudem wurde eine genauere Definition des Begriffs «Service public» gewünscht. Denkbar wäre eine offene Liste: Luft, Wasser, Recht auf Information … Eine solche Liste kann allerdings nie vollständig sein.

Bei den Interessengruppen standen sich zwei Anliegen diametral gegenüber: der Wunsch, möglichst viele Gruppen zu haben, die wichtige Themen grundlegend bearbeiten, und das Wissen, dass wir Mühe haben, zusätzliche Gruppen personell zu besetzen. Man einigte sich darauf, keine zusätzlichen Gruppen zu bilden und auf die Kommission für Erwerbslose und Ausgesteuerte zu verzichten. Dafür wird der Antrag gestellt, eine Fachkommission «Sozialversicherungen» zu bilden, die sich neben Problemen mit der Arbeitslosenversicherung auch um IV, AHV und allenfalls Sozialhilfe kümmert.

Es besteht weiterhin Klärungsbedarf, was Aufgaben, Sinn, Inhalt und Aufteilung der drei Sektoren angeht, ebenso bezüglich der Leitung auf Profi- und Milizebene. Nicht, dass die Idee der Sektoren gekippt werden muss, aber die reale Auswirkung auf die Gewerkschaftsarbeit ist unklar und die Angst, den Apparat zu vergrössern, vorhanden.

Die Sektionen verursachen dafür auf lokaler Ebene einiges Kopfzerbrechen: Wie sollen die heutigen Sektionen integriert werden, was sollen die bestehenden Ortsgruppen machen und ist ein branchenübergreifender Sektionsvorstand nicht etwas übertrieben? Neben der Aussicht, dass die Vorstandsarbeit interessanter werden könnte, befürchtet man, dass bestehende Strukturen zerstört werden.
Infrage gestellt wurden die Löhne der politischen und administrativen SekretärInnen. Die heutigen unterschiedlichen Lohnsysteme könnten womöglich zu einem Scheitern der Zusammenführung der beiden Gewerkschaften führen.
 
Niklaus Dähler, Präsident Sektor Grafische Industrie und Verpackung

 
Niklaus Dähler