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Wie gross soll der Kuchen sein?

Dank ihrem 10-Millionen-Budget pflastern die Arbeitgeber zurzeit sämtliche Schweizer Städte mit ihrem Kuchen-Plakat zu, das uns weismachen will, dass unsere Renten aus der 2. Säule in Gefahr sind. Die Berechnungen von Jacques Grivel beweisen, dass der Kuchen längerfristig weiterwachsen wird und allen eine anständige Portion garantiert ist.
 
«Für eine sichere 2. Säule und faire Renten», posaunen die Versicherer und die Bürgerlichen unisono hinaus. «Aber die Renten sind ja schon sicher und die Rendite hoch genug, damit das Ganze gerecht ist», entgegnet Jacques Grivel, CEO der Fundo AG, die sich auf die Beratung von Pensionskassen spezialisiert hat. Grivel bestreitet nicht, dass die Lebenserwartung seit der Einführung der 3. Säule um drei Jahre gestiegen ist. Man dürfe in dieser Frage jedoch den zweiten wichtigen Aspekt nicht einfach übersehen, nämlich die Renditeerwartung auf dem angesammelten Kapital. «Die entscheidende Frage ist doch die nach der Grösse des Kuchens», mahnt der studierte Ingenieur. «Auf unserem Sparkapital wird 40 Beitragsjahre lang ein bestimmter Zinssatz angewendet. Fragt sich bloss, ob dabei am Ende ein Zitronentörtchen oder ein Dreikönigskuchen herausschaut! Die Versicherer wollen für uns nur kleine Törtchen backen. Je nachdem, ob unser Kapital mit 2,5 Prozent oder 4 Prozent verzinst wird, ergibt sich am Schluss eine Differenz von über 40 Prozent.»
 
Ein Jahrhundert des Wachstums

Das Parlament hat sich damit einverstanden erklärt, den Umwandlungssatz – der dazu dient, die jährlichen Renten zu ermitteln –, von 7,2 auf 6,4 Prozent zu senken, weil es mit einem durchschnittlichen Zinssatz auf Geldanlagen von 3,35 Prozent rechnet. Wenn wir beweisen, dass wir mehr herausholen können (ohne unbesonnene Risiken eingehen zu müssen), dann fällt die ganze Argumentation der RentenkürzerInnen in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Genau das hat Grivel letztes Jahr mit seinem Team gemacht. Er ging von 280 virtuellen Portfolios vom Typ Pictet BVG-25 (bestehend aus 25 Prozent Aktien) aus, die er auf 25 Jahre (1985–2009) extrapolierte. «Wir stellten fest, dass es keine Probleme gab. Warum dann die Leistungen verschlechtern wollen?» Soeben hat er dieselbe Berechnung für den Zeitraum ab 1900 gemacht. «Über 110 Jahre gesehen, ergibt sich ein Nominalzinssatz von 5,2 Prozent. Ich sehe nicht ein, warum der Mensch sich in den letzten zehn Jahren derart verändert haben soll, dass man von 2 statt von 4 Prozent ausgehen müsste.»
 
Die Spitze des Eisbergs

Grivel ist der Ansicht, dass die Frage des Umwandlungssatzes nur die Spitze des Eisbergs ist. Die Versicherer möchten eine Senkung, weil sie sich durch Vorschriften benachteiligt fühlen, die für die übrigen Vorsorgeeinrichtungen nicht gelten. Tatsächlich werden unterschiedliche Massstäbe angelegt. Heute sind 1,7 Millionen Personen bei selbstständigen oder öffentlichen, vom Bundesamt für Sozialversicherungen beaufsichtigten, Pensionskassen versichert. 1,7 Millionen sind es auch bei privaten Versicherungsgesellschaften wie der Winterthur oder Swiss Life, die der Finanzmarktaufsicht unterstehen. Die privaten Versicherer müssen nicht nur jederzeit 100 Prozent der geschuldeten Renten garantieren können; der Schweizer Solvenztest schreibt ihnen auch eine Begrenzung ihres Aktienanteils im Portfolio vor, was sie daran hindert, ebenso gute Leistungen zu erbringen wie die übrigen Kassen.
 
Kleinere Brötchen backen

Mit einer Rendite von nur 2 Prozent gegenüber einer solchen von 4 bei den Pensionskassen wächst das Kapital weniger schnell, und so sind die Scheibchen, die sich die RentnerInnen, deren Guthaben bei einer Versicherung liegen, abschneiden können, zwangsläufig dünner. Wenn man dann noch den Mindestzinssatz von 2 statt 4 Prozent mit einer Senkung des Umwandlungssatzes auf 6,4 Prozent kumuliert, ergibt dies insgesamt eine Renteneinbusse von 39 Prozent (siehe Grafik)! Die PersonalvertreterInnen sollten verlangen, dass Pensionskassen nicht mehr durch Versicherungen verwaltet werden dürfen, die zudem wegen ihrer AktionärInnen höhere Verwaltungskosten verrechnen.

Das Beste wäre, dass sich Versicherungsgesellschaften nicht mehr mit der sozialen Absicherung befassten. Die Debatte darüber muss nach der Abstimmung unbedingt eröffnet werden. «Die Zukunft gehört in diesem Land den grossen Pensionskassen», meint Grivel und fährt optimistisch fort: «In 100 Jahren wird es keine Banken mehr geben. Kredite werden wir uns direkt bei den Pensionskassen beschaffen. Bei der Wiki-Bank sozusagen, denn die 3,5 Millionen Versicherten sind die wahren EigentümerInnen dieser Pensionskassenguthaben. Eines Tages werden sie aufwachen.»

Yves Sancey


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„Pensionskassen abschaffen! Eine existenzsichernde Volkspension muss jetzt dringend geschaffen werden.“

Richard Frick
Dozent für Typografie
Mitglied comedia, vpod