19.05.10
Die Buchhandlung als Showroom
Am 16. Juni findet im Nationalrat die Schlussabstimmung über das Buchpreisbindungsgesetz statt. Den GegnerInnen der Preisbindung ist jedes Mittel recht. Sie haben die aktuelle Vorlage in ihr Gegenteil verkehrt: Statt die kulturelle Vielfalt und ein dichtes Netz von Buchhandlungen zu schützen, würde das Gesetz die Buchhandelslandschaft zerstören.
Denkt man den von Ständerat Bruno Frick (CVP) vorgeschlagenen und von der nationalrätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) unterstützten Vorschlag für ein Buchpreisbindungsgesetz zu Ende, sieht man schwarz für den Schweizer Buchhandel: Nicht nur, dass sich der Buchmarkt grundlegend verändern würde, das Gesetz würde auch den stationären Handel vernichten und damit Tausende von Arbeitsplätzen.
Wenn, gemäss Vorschlag Frick, der Onlinebuchhandel vom Gesetz ausgenommen würde, fände der Preiskampf im Internet statt. Denn online bestellte Bücher wären von der Preisbindung ausgenommen, Rabattschlachten um Tiefstpreise die Folge. Heute beträgt der Marktanteil des Onlinebuchhandels 15 Prozent mit steigender Tendenz. Zwar beschafft sich eine klare Mehrheit der KäuferInnen die Bücher noch in der Buchhandlung, doch dies würde sich mit dem Vorschlag Frick grundlegend ändern.
Online bestellen
Die Mehrheit der KundInnen würde die Bücher zwar nach wie vor im Laden anschauen wollen, kaufen würden sie sie aber online. Denn auch wenn die BuchkäuferInnen relativ preisunsensibel sind, der Preis also nicht die zentrale Rolle spielt beim Kaufentscheid, würde sich das Kaufverhalten bei einer Preisdifferenz von rund 20 Prozent grundsätzlich ändern. Nach dem Motto «Ich bin doch nicht blöd» würde der Onlinebuchhandel massiv bevorzugt. Die Buchhandlung würde zum Showroom – während der Handel im Internet stattfände.
Da aber die stationäre Buchhandlung eine völlig andere Kostenstruktur – Miete, Logistik, Personal – hat als der Onlineanbieter, könnten sich nicht mal die grossen Ketten solche Showrooms leisten. Der stationäre Handel würde verschwinden.
Unseriöse GegnerInnen
Dass der absurde und destruktive Gesetzesvorschlag mit 13 zu 12 Stimmen in der WAK eine zwar nur knappe, aber trotzdem eine Mehrheit gefunden hat, ist besorgniserregend. Sorgen muss man sich aber nicht nur um die Vorlage machen, sondern auch um die Seriosität unserer ParlamentarierInnen. Wenn die GegnerInnen der Vorlage mutwillig Arbeitsplätze zerstören wollen, dann läuft etwas falsch. Die Mitglieder des Sektors Buch, die sich in einer Umfrage zum Vorschlag geäussert haben, könnten mit einem solchen Gesetz nichts anfangen. Der Sektorvorstand wird deshalb sein Lobbying nochmals verstärken und die Gefahren für die Arbeitsplätze ins Zentrum der Argumentation stellen.
Danièle Lenzin, Zentralsekretärin Buch und Medienhandel
Sektor Buch
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