19.05.10
Höhere Berufsprüfung: Es zur Meisterin bringen
Fast 100 Jahre nach der ersten Lehrabschlussprüfung zur Buchhändlerin gibt es nun auch eine anerkannte berufsspezifische Weiterbildung. Im Herbst 2010 startet der Lehrgang zur Höheren Berufsprüfung Buchhandel.
«Das eröffnet neue Perspektiven», sagt Leonie Ackermann, die bei Orell Füssli kurz vor dem Lehrabschluss zur Buchhändlerin steht. Denn bisher gab es keine spezifische Weiterbildung für den Buchhandel zur Abteilungs- oder Filialleiterin. Der Lehrgang zur Höheren Berufsprüfung Buchhandel, der zum «Eidgenössischen Fachausweis» führt, schliesst diese Lücke. Zu begrüssen ist, dass sich Angestellte in Buchhandlungen nun unabhängig von firmeninternen Weiterbildungen und Philosophien auf eine leitende Tätigkeit vorbereiten können.
Einen weiteren Vorteil erkennt Barbara Aebi, Jungbuchhändlerin bei Bader, Langenthal: «Bisher musste man sich eine Abteilungsleitung durch jahrelange Anstellung in einem Betrieb erarbeiten. Mit dieser Ausbildung kann man sich in einem neuen Betrieb direkt als Abteilungsleiterin bewerben.» Monica Bader, Mitglied der Aufsichtskommission der Berufsschule Bern, sieht in der Berufsprüfung eine klare Aufwertung des Berufes. Als weiteren Aspekt bringt sie die Selbstständigkeit ins Spiel: «Für Leute, die eine eigene Buchhandlung eröffnen wollen, ist es eine notwendige Ausbildung.»
30 Kurstage und Selbststudium
Die Weiterbildung wird in vier Modulen absolviert: «Personalführung», «Finanz- und Rechnungswesen» sowie «Absatz und Marketing» und das branchenspezifische Modul «Geschäftsprozesse Buchhandel». Es muss mit rund 30 Kurstagen und 450 Stunden Selbststudium gerechnet werden. Die allgemeinen Module können bei verschiedenen Anbietern besucht werden (siehe www.swissbooks.ch). Das Buchhandelsmodul wird zentral angeboten, interessierte Schulen (wie die Wirtschafts- und Kaderschule Bern) haben derzeit Gelegenheit, sich darum zu bewerben.
Wer trägt die Kosten?
Die Kosten sind vom Anbieter abhängig. Die preiswerteste Variante liegt bei etwa 6500 Franken – ein relativ hoher Betrag bei den eher tiefen Löhnen im Buchhandel. Leonie Ackermann ist der Meinung, dass sich die Betriebe, vor allem wenn sie die Absolvierung der Ausbildung befürworten, auch am Aufwand beteiligen sollen: «Eine Kostenbeteiligung von 20 bis 50 Prozent scheint mir fair. Bei Grossbuchhandlungen dürfte die Beteiligung auch höher ausfallen.»
Tanja Messerli, Abteilungsleiterin Buchhandel der Berufsschule Bern, meint: «Der Erfolg der Ausbildung wird unter anderem davon abhängen, ob die BranchenteilnehmerInnen bereit sind, zu investieren. Dafür sind Wille und Einstellung der ArbeitnehmerInnen und der ArbeitgeberInnen entscheidend.» Eine Unterstützung kann auch die comedia-Stipendienkasse leisten.
Voraussichtlich 2012 werden die ersten BuchhändlerInnen die Höhere Berufsprüfung abschliessen. Messerli fasst zusammen: «Eine Berufsprüfung, sozusagen eine Meisterlehre, trägt dazu bei, das alte Handwerk zu erhalten und zu erneuern. Aus bestehenden Werten Neues zu schaffen ist in jedem traditionellen Beruf eine Bedingung. Wir müssen beweisen, dass unsere Arbeit auch heutigen Menschen Dienstleistungen bietet und Lebensqualität schafft. Das kann man zwar schon in der Lehre lernen. Aber es braucht MeisterInnen, um das Feuer weiterzureichen.»
Rebekka Bolzern, Regionalsekretärin
Informationen zur Berufsprüfung
auf der Seite des SBVV (www.swissbooks.ch) befindet sich ein Dossier mit umfangreichen Informationen zur Berufsprüfung. Die Stipendienkasse comedia unterstützt Angestellte des Buchhandels bei Weiterbildungen. Das Merkblatt kann bestellt werden bei: Rebekka Bolzern, buch@comedia.ch, Telefon 044 245 80 48.
Sektor Buch
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