24.06.10
Ladenöffnungszeiten: Unterschiedliche Signale
Die Stimmberechtigten im Kanton Aargau haben sich gegen eine Ausweitung von Sonntagsverkäufen ausgesprochen. Im Kanton Solothurn dagegen wurden zwei zusätzliche Sonntagsverkäufe angenommen. Im Kanton St. Gallen wird im September über eine Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten abgestimmt.
«Die Einführung von zwei zusätzlichen Sonntagsverkäufen im Kanton Aargau wurde mit 53,6 Prozent abgelehnt.» Viviane Hösli, Buchhändlerin und engagiert im Abstimmungskomitee gegen zusätzliche Sonntagsverkäufe, ist begeistert. Eine Annahme der Vorlage hätte dazu geführt, dass die Läden in jeder Gemeinde an einem anderen Sonntag hätten geöffnet werden können. Hösli vermutet, dass sich «durch die Möglichkeit, in jeder Gemeinde an einem anderen Sonntag geöffnet zu haben, diverse Einzellösungen ergeben hätten». Es wäre das Gefühl entstanden, dass es normal sei, an einem Sonntag einkaufen zu gehen.
Genau diese Situation ist im Kanton Solothurn eingetreten. Dort sagten 55,7 Prozent der Stimmberechtigten Ja zu zwei zusätzlichen Sonntagsverkäufen.
Dezember noch anstrengender?
Martina Neff, Buchhändlerin bei Lüthy Solothurn, sagt: «Die Leute denken bei Abstimmungen nicht an das Verkaufspersonal, sondern an die eigenen Wünsche. In unserer Gesellschaft wird man daran gewöhnt, dank dem Internet 24 Stunden einkaufen zu können.» Sie befürchtet, dass für sie der anstrengende Monat Dezember noch härter werden wird. Denn die zwei zusätzlichen, frei einsetzbaren Verkaufssonntage würden vermutlich im Dezember angesetzt. Auch befürchtet sie, dass dies nur der Anfang sei und bald der nächste Vorstoss mit erweiterten Öffnungszeiten lanciert werde.
Von 19 auf 20 Uhr ausdehnen?
In St. Gallen wird am 26. September zum fünften Mal innerhalb von 14 Jahren über die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten abgestimmt. Die Ladenöffnungszeiten sollen unter der Woche von 19 auf 20 Uhr verlängert werden. Tanja Bhend, Buchhändlerin bei Orell Füssli St. Gallen, betrachtet als gravierendste Auswirkung, dass das Privatleben – speziell von Familien – darunter leiden werde. Zudem seien gesundheitliche Schäden wie Übermüdung und Burn-out vorprogrammiert.
Rebekka Bolzern, Regionalsekretärin
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