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24.06.10

Die SRG muss sparen

Die Finanzlage der SRG ist alarmierend. Die Direktion und das Schweizer Syndikat Medienschaffender lehnen weitere Kürzungen ab – doch der Bundesrat verweigert eine Gebührenerhöhung. Auf Roger de Weck wartet keine leichte Aufgabe.



2009 haben das öffentliche Radio und Fernsehen 45 Millionen Franken Verlust gemacht. Da muss guter Rat billig sein: drei Prozent Kürzungen linear oder Abschaffung der zweiten Sender im Tessin und in der Romandie, Streichung von Musik- oder englischsprachigen Sendern.
Die SRG-Direktion und das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) betonen, dass es nach den bereits durchgeführten Sparprogrammen intern keinen Spielraum mehr gibt. «Viele MitarbeiterInnen sind schon vollkommen erledigt», sagt Valérie Perrin vom SSM. Der SRG fehlen für 2011 bis 2014 zwischen 135 bis 168 Millionen Franken pro Jahr, um ihren Leistungsauftrag zu erfüllen.
In einem Brief an die Westschweizer ParlamentarierInnen plädiert das SSM für eine proportionale Gebührenanhebung. In der Deutschschweiz organisiert das SSM Unterschriften für eine Online-Petition. Doch der Bundesrat lehnte am 18. Juni eine Gebührenerhöhung ab.
Auch das Multimediaprojekt «Konvergenz», das Radio und Fernsehen zusammenführen soll, stellt die Effizienz in den Vordergrund. Einsparungen im Supportbereich sollen bis 2014 jährlich 17 bis 33 Millionen einbringen. Der Abbau von rund 100 Vollzeitstellen bis 2014 wurde bereits angekündigt.

Divergenz bei der Konvergenz
In der Westschweiz stösst die Konvergenz bei den Radioschaffenden auf mässige Begeisterung: 200 Mitarbeitende kritisieren, dass die Qualität aufs Spiel gesetzt, keine Konsultationen durchgeführt und künstliche Hektik erzeugt würden und dass das Fernsehen eine Art Übernahme-Offensive gestartet habe. In der Deutschschweiz fand eine öffentliche Diskussion über die Unabhängigkeit der Information statt.

Hoffnung auf die Neuen
Vor dem finanziell angespannten Hintergrund wurde Roger de Weck am 18. Mai zum neuen Generaldirektor der SRG ernannt. De Weck, Intellektueller und Journalist (ex «24Heures» und ex «Tages-Anzeiger»), stammt aus Fribourg und ist in beiden Kulturen zu Hause. Die Ernennung des europhilen Bankierssohns stösst bei der SVP auf Konsternation, beim SSM weckt sie Hoffnung, weil Roger de Weck für sein Verständnis für den Service public und seine Ansprüche an die Qualität der Information bekannt ist. Die Gewerkschaft hofft, dass er sich energisch gegen den Programm- und Personalabbau wehren wird. Im SSM Romand gibt man sich vorsichtig: «Wir erwarten keinen Retter, sondern wollen Taten sehen, zum Beispiel, ob er sich für die Sozialpartnerschaft öffnet.» Genau das fordert de Weck selbst: dass man ihn nach seinen Taten beurteile.
Auch vom ersten gemeinsamen Radio- und TV-Direktor Rudolf Matter, der am 21. Juni gewählt wurde, erhofft sich das SSM Fingerspitzengefühl im Umgang mit der delikaten Finanzlage, und dass Matter die programmliche und personelle Vielfalt der Sendeanstalten erhalte.

Yves Sancey

Infos: www.ssm-site.ch
www.das-volle-programm.ch


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