24.06.10
Retraite: Auch das Tessin spürt die Medienkrise
Der Sektorvorstand Presse und elektronische Medien reiste zu seiner diesjährigen Retraite nach Lugano. Die intensiven Diskussionen über die Fusion und die Zukunft unserer Branche in der Neuen Gewerkschaft wurden durch einen Besuch aufgelockert.
An der Retraite des Sektorvorstands Presse und elektronische Medien berichtete eine Delegation der comedia Ticino über die Mediensituation in der Südschweiz. Für eine Region, deren Bevölkerung mit knapp 330 000 EinwohnerInnen kleiner als jene der Stadt Zürich ist, liegt eine beträchtliche Vielfalt vor: Es gibt drei Tageszeitungen («Corriere del Ticino», «La Regione», «Giornale del popolo»), eine private Fernseh- und zwei private Radiostationen. Daneben spielen die SRG-Sender von RSI eine wichtige Rolle.
Bisher habe die Krise das Tessin nicht mit derselben Heftigkeit getroffen wie die Deutschschweiz, erzählte Rocco Bianchi («Corriere»). Zuerst hätten nur die freien JournalistInnen sie gespürt, dann seinen einzelne Kündigungen gefolgt. Dass der «Corriere» schliesslich fünf Mitarbeitende der Redaktion entlassen habe, sei ein grosser Schock gewesen. Zudem stehe die Zukunft des «Giornale del popolo» auf dem Spiel, nachdem sich der «Corriere» zurückgezogen habe. 35 Leute könnten auf einen Schlag ihre Arbeit verlieren. Laut den Tessiner KollegInnen ist es unwahrscheinlich, dass sich im Tessin ein Deutschschweizer Verlag oder einer aus Italien einmischt. «Zu wenig interessant», so ihre Begründung.
Das Bild, das wir DeutschschweizerInnen vom Tessin erhalten, wird immer eingeschränkter: Gerhard Lob ist einer der letzten freien Tessiner-Korrespondenten für Deutschschweizer Tageszeitungen. «Tages-Anzeiger» und NZZ hätten ihre Berichterstattung übers Tessin auf ein Minimum reduziert. Die SDA hat nur noch einen Journalisten vor Ort; dieser arbeitet zudem auch noch 20 Prozent für die NZZ. Nur die SRG rudert etwas gegen den Strom und hat eine neue Tessin-Berichterstatterin aufgebaut.
Sabine Arnold
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