Artikel drucken

Frauenkonferenz: Starke Frauen für die Gewerkschaft


Was erhoffen sich die Frauen von der Neuen Gewerkschaft? Die comedia-Frauenkonferenz, die Anfang Juni zum siebten Mal in Bern stattfand und an der auch Frauen aus der Gewerkschaft Kommunikation teilnahmen, bot Raum für Visionen, Diskussionen und kritische Fragen.
 
Viele goldglänzende Kiesel lagen auf den Tischen der Teilnehmerinnen im Hotel Bern. Gerda Kern-Weibel, die als Vertreterin der Frauenkommission die Frauenkonferenz leitete, verglich sie scherzhaft mit Meilensteinen auf dem Weg zur Neuen Gewerkschaft und wünschte sich, dass mit diesen Steinen ein auffälliger und gut sichtbarer Boden für die Zukunft gelegt würde. Denn die Gewerkschaften werden weiblicher; Frauen werden die gewerkschaftliche Politik zunehmend mitprägen.

Einleitend orientierte Danièle Lenzin, Kopräsidentin von comedia, über den aktuellen Stand der Arbeit am Fusionsprojekt comedia/Gewerkschaft Kommunikation (GeKo) und über die Strukturen der Neuen Gewerkschaft. Neben den drei Sektoren Post, Telecom und comedia-Branchen wird es je eine Interessensgruppe (IG) Frauen, eine IG Jugend, eine IG-Migration, eine IG Freie und Selbstständige sowie eine IG Pensionierte geben, die durch die Leiterin Gleichstellung in der Geschäftsleitung (GL) vertreten sein werden.
Projekte und Kampagnen werden von der nationalen Frauensekretärin koordiniert. In den Grossregionen der Neuen Gewerkschaft werden Verantwortliche für Frauen- und Genderfragen tätig sein. Für die künftige Frauenarbeit der Neuen Gewerkschaft wird die IG Frauen eine zentrale Rolle spielen; entsprechend soll sie mit zwei Sitzen im Zentralvorstand (ZV) der Neuen Gewerkschaft präsent sein.
 
Netzwerke aufbauen
Bernadette Häfliger Berger, Leiterin des GeKo-Rechtsdienstes und designierte Leiterin Gleichstellung in der Neuen Gewerkschaft, formulierte Visionen von einer gewerkschaftlichen Frauenpolitik der Zukunft. So könnten innert zehn Jahren die Hälfte der Mitglieder Frauen sein; im Zentralsekretariat würden Frauen gewichtige Dossiers der verschiedenen Branchen betreuen, und Frauen als Funktionärinnen wären eine Selbstverständlichkeit. Die männlichen Kollegen wiederum würden in GAV-Verhandlungen die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Betreuungsarbeit als zentrale Forderung aufnehmen; ein Legislaturprogramm der Neuen Gewerkschaft würde die Situation der weiblichen Mitglieder in den Mittelpunkt stellen, und in die Verwaltungsräte von Swisscom und Post würden Frauen als Vertreterinnen der Gewerkschaft Einsitz nehmen. Die Neue Gewerkschaft würde «stolz ihr weibliches Gesicht zeigen»!

Voraussetzungen und Erfolge einer Gewerkschaftspolitik von Frauen für Frauen wurden am zweiten Teil der Konferenz vom 5. Juni 2010 erörtert: Unter Leitung der Journalistin Marianne Erdin diskutierten Danièle Lenzin und Therese Wüthrich (comedia), Bernadette Häfliger Berger und Susanne Oehler (GeKo) sowie Barbara Rimml (Unia) zunächst auf dem Podium, dann mit den Konferenzteilnehmerinnen über die Schwerpunkte einer zukunftsgerichteten und gleichstellungsfreundlichen Gewerkschaftspolitik. Auf gewerkschaftspolitischer Ebene stehen nach wie vor gute Gesamtarbeitsverträge, wirksamer Kündigungsschutz und Lohngleichheit weit oben. Barbara Rimml forderte in diesem Zusammenhang ein Lohngleichheitscontrolling.

Unbestritten war: Frauen in der Gewerkschaft müssen Netzwerke aufbauen (Männer haben diese längst!) und sich Raum für den Austausch schaffen. Frauenquoten stärken die Präsenz der Frauen in den Gremien – und natürlich braucht es sie auch in der Wirtschaft. Wichtig sei, dass sich die Gewerkschafterinnen im Apparat nicht in die Frauenecke drängen liessen, sondern klar und deutlich zentrale Dossiers und Einsitz in Verhandlungsdelegationen beanspruchten. Unerlässlich für die Mobilisierung der Frauen sind starke regionale Strukturen und weibliche Ansprechpersonen: Die Frauen müssen in der Gewerkschaft sichtbar werden, sie sind die weiblichen Vorbilder.
 
Charlotte Spindler
 
 
Tätigkeitsbericht und Wahlen
cs. Frauensekretärin Therese Wüthrich orientierte über die Tätigkeit der Frauenkommission in den Jahren 2009 und 2010. Unter anderem waren dies die Aktionen zum «Equal Pay Day» und zur Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie, das Sensibilisierungsprogramm «Reality Check» gegen Sexismus in der Werbung, die Mitarbeit am Frauenkongress des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, die Vorbereitung für die nationale Frauendemonstration vom 13. März 2010, eine neue Website in der Romandie gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz sowie diverse Weiterbildungsveranstaltungen.

Bis zur Frauenkonferenz der Neuen Gewerkschaft gewählt wurden die Bisherigen Muna Al-Jabaji, Alejandra Bravo, Suna Göl, Gerda Kern-Weibel, Michèle Schneider, Zahra Razavi, Doris Thomas und Ayse Erbil (Mitarbeit), neu hinzu kommen Anett König und Barbara Loosli. Als Vertreterin der Frauenkommission im Zentralvorstand wurde Gerda Kern-Weibel nominiert. Zurückgetreten sind Dorothea Marti und Arzu Sirince.