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1.02.10

Ein Engagement, das sich lohnt

Seit rund vier Monaten ist die MitarbeiterInnenvertretung bei der Orell Füssli Buchhandlungs AG neu organisiert. Statt wie früher ein Dutzend Personen, ist es nun eine Kerngruppe mit vier Leuten, die sich regelmässig trifft und die Hauptarbeit leistet. Für dieses Engagement darf zehn Prozent der Arbeitszeit aufgewendet werden.



«Weil die Orell-Füssli-Gruppe in den letzten Jahren rasant gewachsen ist, waren wir am Schluss mehr als ein Dutzend Leute, die einen gemeinsamen Sitzungstermin finden mussten», erzählt Annamaria Mauramati, seit November 2005 Mitglied der MitarbeiterInnenvertretung (MAV): «Damit wurde unsere Arbeit schwerfällig und die Diskussionen uferten aus.» Mit jeder neue Filiale nahm wieder eine Person mehr Einsitz in der MAV. Zwar sei der Aufwand bereits früher entschädigt worden, trotzdem sei er für einige zur Last geworden. Und selbst die Mitglieder der Geschäftsleitung hätten sich über den schleppenden Ablauf gemeinsamer Treffen beklagt.
 
Vierköpfige Kerngruppe
Seit rund vier Monaten funktioniert die MAV bei Orell Füssli (OF) nun anders. Neu gibt es eine Kerngruppe von vier Personen, die je zu zehn Prozent für die MAV-Arbeit bezahlt sind. Das ist auch bei Mauramati der Fall. Neu vertritt sie neben Zürich Bellevue, wo sie arbeitet, weitere Filialen – so wie die anderen Mitglieder der Kerngruppe auch. Ein Mitglied der Kerngruppe kümmert sich um die Anliegen der Angestellten der OF-Restseller-Filialen.

In der Kerngruppe vertreten ist auch Tristan Pfaffen, der im KundInnenservice-Center von OF in Zürich Wiedikon arbeitet. Die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung sind laut Pfaffen gut verlaufen: «Natürlich gab es auch Diskussionen, aber diese betrafen vor allem Details.» Schliesslich habe man eine annehmbare Lösung gefunden, die sowohl für die Angestellten als auch für die Arbeitgeberin praktikabel sei.

Auch Barbara Valenta, Personalleiterin der OF Buchhandlungs AG, sieht Vorteile in der neuen Struktur: «Der Geschäftsleitung ging es vor allem darum, dass die MitarbeiterInnen ihre Ressourcen besser nutzen können und dass die Sitzungen effizienter und besser organisiert sind.»

Einmal im Jahr nehmen die MitarbeitendenvertreterInnen der verschiedenen Standorte – also der insgesamt zehn OF-Filialen – an einer Vollversammlung teil, an der gemeinsame Ziele festgelegt werden. Über die laufenden Entwicklungen werden sie von der Kerngruppe informiert, die sich monatlich trifft. Mauramati bezeichnet die ersten Erfahrungen als sehr zufriedenstellend: «Was noch besser werden darf, ist die Kommunikation zwischen der Kerngruppe und den Kontaktpersonen in den Filialen.» Ihrer Meinung nach könnte das OF-Modell in anderen Personalkommissionen durchaus Schule machen.
 
Suleika Baumgartner


Mitwirkung im Buchhandel


Mit der Reorganisation der MitarbeiterInnenvertretung stärkt Orell Füssli die Mitwirkung gemäss Mitwirkungsgesetz. Diese Professionalisierung ist neu im Schweizer Buchhandel.

Die Mitwirkung im Buchhandel entwickelt sich mit der Expansion der Buchhandlungsketten. Payot SA dürfte die erste Buchhandlung gewesen sein, die eine Personalvertretung (Peko) einführte. In der Peko von Payot sind alle Filialen mit einem gewählten Peko-Mitglied vertreten. Für Verhandlungen mit der Geschäftsleitung wird unter den Peko-Mitgliedern eine Delegation gewählt, die von den Gewerkschaften begleitet wird. Die Peko-Arbeit wird während der Arbeitszeit geleistet, Stellenprozente sind dafür nicht vorgesehen.

Thalia hat ein anderes Vertretungssystem. Die Filialen Stauffacher, Thalia Bern und Basel haben gewählte Pekos. In allen anderen Filialen gibt es keine Mitwirkung. Um das gesamte Personal vertreten zu können, haben die Peko-Mitglieder der Geschäftsleitung kürzlich eine Reorganisation der MitarbeiterInnenvertretung vorgeschlagen.

Obwohl das Buchhaus Lüthy ebenfalls kontinuierlich neue Filialen eröffnet und damit mehr Personal beschäftigt, kennt das Familienunternehmen keine Mitwirkung. Zwar gibt es Angestellte, die sich das wünschten. Aber bis jetzt wurde weder die Geschäftsführung noch das Personal aktiv.

comedia unterstützt Gründung und Arbeit von Pekos. Nur so können die betrieblichen Interessen der Beschäftigten grösserer Unternehmen adäquat vertreten werden.
 
Danièle Lenzin, Zentralsekretärin Buch und Medienhandel


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