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28.06.10

Thalia: Leere Versprechen

Die offenen Fragen sind nicht geklärt und der angekündigte Dialog findet nicht statt. Stattdessen kommt es zu Kündigungen und es wird eine verwirrende «Multi-Channel»-Strategie gefahren. Ein Rückblick auf die ersten 14 Monate Thalia Schweiz unter der neuen Geschäftsführung.



Auf April 2009 wechselte Michele Bomio von Navyboot in die Geschäftsführung von Thalia. Die Angestellten hatten grosse Erwartungen, liess doch sein Vorgänger viele Fragen offen. Der Dialog mit den rund 700 MitarbeiterInnen sei ihm sehr wichtig, sagte er in einem Interview («m» Nr. 9/2009) und meinte auf die Frage, wie dieser gestaltet sein soll: «Direkt, persönlich, regelmässig, respektvoll, zukunfts- und lösungsorientiert.» Nach anfänglichen Informationsveranstaltungen und Rundschreiben datiert die letzte Info vom Februar 2010.

Den Personalkommissionen wird im kommenden August ein Treffen gewährt, nachdem der Dialog für geraume Zeit unterbrochen war. Dass es viel zu tun gibt, ist unbestritten. Bei Thalia Bern nehmen die Kündigungen kein Ende. Im zweiten Halbjahr 2009 verliessen 15 Angestellte die Filiale, im laufenden Halbjahr kündigten weitere zehn. Sie gehen, weil die Arbeitsbedingungen katastrophal sind. Das anerkennt selbst das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum, das keine Einstelltage verfügt, obwohl Arbeitnehmende selber gekündigt haben. Im oberen Kader gab es ebenfalls Abgänge, die nicht ersetzt wurden. Kein Wunder, bleibt da keine Zeit für einen «respektvollen Dialog».


Auch bei Stauffacher in Bern nicht. Dort erhielten vier Angestellte aus «wirtschaftlichen Gründen» die Kündigung. Zusammen mit dem zuvor kommunizierten Einstellungsstopp – der auch für die Basler Filiale gilt –, lösten die Kündigungen grosse Verunsicherung aus. Sie werden von den Angestellten als Wortbruch empfunden, denn Bomio begründete im letzten Sommer die Ablehnung eines Gesamtarbeitsvertrages auch damit, dass er nicht die Löhne erhöhen, sondern die Arbeitsplätze sichern wolle. Welche Strategie Thalia Schweiz verfolgt, ist schleierhaft. Von Bomio wissen die Angestellten nur, «dass der Buchhandel, so wie Sie ihn kennen, tot ist».
 
Zukunftsorientierte Strategie?
In der deutschen Fachpresse preist Thalia-Holding-Chef Michael Busch den Ausbau des Online-Handels und «Multi-Channel» als neue Strategie an. Auch die Angestellten in der Schweiz müssen Gutscheine verschenken (!), die man online einlösen soll. So wird die Kundschaft aktiv in den Onlineshop getrieben, zumal es in fast allen Filialen zu wenig Personal hat, die Kundschaft also nicht mehr beraten werden kann. Die KundInnen werden wohl den Weg in eine andere Buchhandlung wählen oder bei Amazon bestellen. Wenn dies die «zukunftsorientierte Strategie» sein soll, verwundert kaum, dass Bomio den Dialog abbricht. Denn das ist keine Strategie, sondern Chaos.
 
Danièle Lenzin, Zentralsekretärin Buch und Medienhandel


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