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100 Franken mehr für alle – 200 Franken für die Frauen!

Es ist höchste Zeit für Lohnerhöhungen! Seit 15 Jahren kommen die unteren und mittleren Löhne kaum vom Fleck. Nach Abzug der Fixkosten, insbesondere der steigenden Krankenkassenprämien, bleibt heute weniger im Portemonnaie als 1990!

Die Forderung «100 Franken mehr für alle – 200 Franken für die Frauen!» soll den verschiedenen Berufsgruppen, die comedia organisiert, Rechnung tragen. Die höhere Forderung für die Frauen versteht sich als Massnahme gegen die Lohndiskriminierung, die sich durch alle Branchen zieht.

Grafische Industrie

Sogar der Arbeitgeberverband Viscom sieht für das kommende Quartal eine Verbesserung der Wirtschaftslage. Damit ist die Vorraussetzung gegeben, den Nachholbedarf einzufordern. Diverse grosse Unternehmen wie Tamedia, Ringier oder Edipresse wiesen bei ihren Abschlüssen für das Jahr 2005 gute bis überdurchschnittliche Reingewinne aus (z. B. Tamedia 79 Mio. Franken!). Gegenüber diesen sind darum erheblich höhere Forderungen gerechtfertigt. Am 14. Juni 2006 liess Viscom die Medien wissen, dass «Zahlen aus aktuellen Lohnstatistiken keinerlei geschlechtsspezifische Lohnbenachteiligungen» aufweisen würden. Diese Aussage widerspricht nicht nur den statistischen Auswertungen von comedia, des BfS und des Viscom selbst, sondern auch allen nationalen und internationalen Untersuchungen: Noch immer beträgt die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen über alle Branchen hinweg gut 20%. In der Logik von Viscom müsste die Gewerkschaft also statt die Lohndiskriminierung zu bekämpfen, Viscom als Ausnahmebranche für den «Prix égalité» vorschlagen. comedia fordert stattdessen die Überprüfung von Betrieben auf Lohngleichheit – die Instrumente dazu sind vorhanden, sie wurden vom Eidg. Büro für Gleichstellung entwickelt.

Pressebereich

Seit nunmehr bald zwei Jahren weigert sich der Verband Schweizer Presse den neuen Gesamtarbeitsvertrag inkl. Mindestlöhne zu verhandeln. Das führt zu schleichendem Lohnabbau und Lohnstagnation. Betroffen sind insbesondere auch die freien JournalistInnen, deren Honorare gedrückt werden. Mit der aggressiven Verdrängungsstrategie rechtfertigen die Medienhäuser den Lohndruck, oder wie Hanspeter Lebrument, Präsident des VSP, meint: «Weshalb erfahrene RedaktorInnen anstellen, wenn Studienabgänger für 4000 Franken arbeiten?» So nicht: comedia fordert einen Gesamtarbeitsvertrag mit Mindestlöhnen, substanzielle Lohnerhöhungen für die Journalistinnen und Journalisten sowie höhere Honorare für Freie!

Buchhandel

Die generell tiefen Löhne im Buchhandel – der Mindestlohn liegt bei 3550 Franken – sind Ausdruck des hohen Frauenanteils an den Beschäftigten (rund 80%). Wie in allen Frauenbranchen drückt sich die gesellschaftliche Unterbewertung der Arbeit von Frauen in den Löhnen aus. Der Bruttomedianlohn in der Schweiz liegt bei 5548 Franken, derjenige der Buchhändlerinnen bei 4300 Franken. Können die Löhne nicht verbessert werden, verliert der Buchhandel an Servicequalität: Das qualifizierte Personal wandert in andere, besser bezahlte Branchen ab.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Statt der Ignoranz gewisser Verbände und Betriebe fordern die Gewerkschaften dieses Jahr Fortschritte in der Bekämpfung der Lohndiskriminierung. In der Regel hinken die Gesetze der Realität hinten nach. Dies ist beim Gleichstellungsgesetz nicht der Fall, wie auch die Evaluation des Gesetzes durch das Bundesamt für Justiz deutlich macht. Die Unternehmen haben bisher wenig zur Beseitigung von Diskriminierung beigetragen. Die Evaluation zeigt, dass 57 Prozent der Personalverantwortlichen keine Gleichstellungspolitik machen. Ein weiteres eklatantes Resultat: Von gut 200 evaluierten Gerichtsverfahren betrafen 116 die Lohndiskriminierung. Mit der kollektiven Forderung nach höheren Lohnerhöhungen für die Frauen soll die Umsetzung des Verfassungsauftrags einen wichtigen Schritt weiter kommen.

Danièle Lenzin, Kopräsidentin comedia
SGB-Pressekonferenz vom 27. 6. 2006