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«Ich will Drive reinbringen»

Er ist jung, hoch motiviert und steht vor einem echten Härtetest: Niklaus Dähler führt als neuer Präsident den Sektor Grafische Industrie und Verpackung in die Gesamtarbeitsverhandlungen vom kommenden Herbst. Im Interview mit «m» sagt er, warum es sich lohnt, für den GAV zu kämpfen.

Niklaus Dähler, du warst Sektionspräsident, bist Zentralvorstandsmitglied und jetzt neu auch Sektorpräsident der Grafischen Industrie. Was ist so faszinierend daran, dich in der Freizeit bei comedia zu engagieren?

Es ist spannend! Ich treffe viele Leute, muss mich immer wieder mit neuen, interessanten Themen auseinandersetzen und lerne dabei wahnsinnig viel. Und ich hoffe natürlich auch, etwas neuen Drive in die Gewerkschaft zu bringen.

Wo und wie denn?

Wir müssen im Umgang mit unseren Mitgliedern zeitgemässer werden, direkter und unkomplizierter, den ideologischen Ballast etwas abwerfen und offener auf die Menschen in den Betrieben zugehen. Wir funktionieren sehr oft noch wie vor 20, 30 Jahren und reden auch so.

Was ist schlecht an alten Erfahrungen?

Nichts. Das geschichtliche Bewusstsein ist wichtig. Aber wir dürfen nicht in der Vergangenheit stehen bleiben, sondern müssen den Blick nach vorne richten. Die Mitglieder erwarten von uns, dass wir zu den Herausforderungen die wichtigen Fragen stellen und die richtigen Antworten aus gewerkschaftlicher Sicht geben.

Findest du, comedia sei verstaubt?

Überhaupt nicht. Sie kommt in vielerlei Hinsicht modern daher. Überwinden müssen wir eine gewisse Resignation, der man oft in Killer-Sätzen wie «Man kann ja sowieso nichts machen» begegnet. Wir müssen nicht Bedenken-, sondern Hoffnungsträger sein.

Im Herbst müsst ihr einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) aushandeln. Was hast du dir dabei vorgenommen?

Ich will, dass wir am 1. Januar 2009 wieder einen GAV haben. Das wird nur der Fall sein, wenn wir das bisher Erreichte verteidigen und deutliche Verbesserungen durchsetzen können. Dabei steht ganz klar die Erhöhung der vertraglichen Minimal- und Reallöhne im Zentrum.

Wieso hat die Lohnfrage einen so hohen Stellenwert?

Die grafische Industrie war in den vergangenen fünf Jahren reallohnmässig die grosse Verliererin. Die Branche ist in den Billiglohnbereich abgerutscht. Unsere Minimallöhne liegen mittlerweile unter jenen von Migros und Coop. Sie reichen nicht aus, um eine Familie zu ernähren.

Sind die Leute bereit, für bessere Löhne zu kämpfen?

Sicher ist, dass wir rasch eine breite Mobilisierung in Gang bringen, sollte der Unternehmerverband Viscom die Drohung wahr machen, die Schichtzulagen zu senken und den GAV auszuhöhlen. Jetzt geht es darum, das Feuer für unsere berechtigten Verbesserungsbegehren zu entfachen. In den nächsten Wochen werden wir in den Betrieben über unsere Forderungen und unsere Argumente informieren. Dann wird sich zeigen, dass wir auf die Unterstützung vieler Kolleginnen und Kollegen zählen können.

Warum sollen sie sich denn überhaupt für den GAV engagieren?

Weil es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Im Vertrag hat es viele wichtige Errungenschaften wie die 40-Stunden-Woche oder mindestens fünf Wochen Ferien für alle. All das wurde weder von Gott noch von den Bossen geschenkt, sondern in langen, harten Auseinandersetzungen erkämpft und erstreikt.

Du bist in den vergangenen Wochen durch die Sektionen getourt. Was hat dich dabei am meisten beeindruckt?

Es gab Negatives und viel Positives. Sehr gefallen hat mir, dass in der Sektion Basel die Frauen im Vorstand in der Mehrheit sind und in St. Gallen fünf junge Leute um die dreissig das Ruder übernahmen. Das macht Mut.

Interview: Beat Jost